Infos zu betenden Muslimen in Gerasdorf

gerasdorf-rathaus

Ein Mitbürger, der ein lieber langjähriger Bekannter ist, hat mich gerade mit einigen Sorgen rund um die Muslime, die in Gerasdorf beten wollen, angemailt. Hier meine Antwort, die für alle, die hier mehr wissen wollen, interessant ist, die auch alle aktuellen Informationen, die noch ganz frisch sind, enthält:

Ich hatte den Imam eingeladen und vor drei Tagen war er zu einem Gespräch im Rathaus zu Gast.

Davor hatte ich mit dem Kultusamt des Bundeskanzleramtes (das ist die zuständige Behörde unserer Republik Österreich) geklärt, welche muslimische Gruppe es ist, die in Gerasdorf beten will: Es handelt sich um eine Gruppe namens Ahmadiya, die nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt ist und von der Mehrheit der sunnitischen und schiitischen islamischen Gläubigen abgelehnt wird. Die Gemeinschaft umfasst rund zwölf Millionen Mitglieder weltweit. Sie hat ihre Zentrale in London. Die Gruppe, die in Gerasdorf betet, umfasst 105 Personen.

Die Aktivität der Gruppe unterliegt daher nicht dem Islamgesetz, sondern dem Vereinsgesetz. Ich habe den Imam und seinen Jugendbeauftragten darauf hingewiesen, dass wir als Stadtgemeinde erwarten, dass alle anzeigepflichtigen oder antragspflichtigen Aktiväten wie bauliche Maßnahmen und dergleichen fristgerecht gemeldet werden. Außerdem habe ich darauf hingewiesen, dass etwa Lärm, Gestank oder ein Belegen zahlreicher Parkplätze nicht zur guten Nachbarschaft beitragen würden. Der Imam hat versprochen, dass es nicht zu Belästigungen kommen wird. In allen diesen Fragen bleibe ich und bleiben wir als Stadtgemeinde aufmerksam. Das ist unsere Aufgabe und die erfüllen wir auch.

Außerdem habe ich ein für dieses Wochenende geplantes Ballspielen durch die Gruppe auf einer öffentlichen Wiese in Gerasdorf innerhalb von drei Tagen sofort mit unserem Wirtschaftshof und der Polizei abgeklärt und danach den Imam gebeten, von dieser Aktivität Abstand zu nehmen, solange die neue Nachbarschaft noch nicht bekannt ist und vielleicht negative Reaktionen folgen könnten. Obwohl das rechtlich nicht notwendig wäre, sondern nur eine Bitte meinerseits war, hat der Imam das für dieses Wochenende geplante Ballspielen abgesagt. Das zeugt von einer guten Kooperationsbereitschaft. – Ich habe die Gruppe zu einem Abend im Oktober mit verschiedenen Gerasdorfer Gruppen und Vereinen – und selbstverständlich mit allen Gemeinderats-Parteien – eingeladen, damit ein gegenseitiges Kennenlernen möglich wird. Insgesamt war mein Eindruck vom ersten Kennenlernen positiv. Die negativen Aspekte, die über den Islam oft kommuniziert werden, sind bei dieser Gruppe bisher nicht zutage getreten. Die Gruppe distanziert sich auch von solchen Aspekten.

Ich bin nicht alleine mit einem positiven ersten Eindruck. So hat die Familie, durch die wir überhaupt erst erfahren haben, dass Menschen, die sich selbst als Muslime verstehen, hier beten wollen, da sind (weshalb ich überhaupt den Imam zum Gespräch ins Rathaus einladen konnte), die zuerst ganz große Bedenken geäußert hatte, schließlich gemailt (und mir erlaubt, dieses Zitat öffentlich zu machen, was ich hiermit gerne tue):

Danke für Ihr Feedback! Dass eine Verhinderung nicht möglich ist, ist auch die Information, die ich inzwischen bekommen habe. Es gibt jedoch erfreuliche Neuigkeiten inklusive geänderter Sachlage! – In der Zwischenzeit haben wir ein ausführliches Gespräch mit dem Imam geführt, der das Haus gekauft hat. Erstaunlicherweise ist es äußerst positiv verlaufen – sogar mein Mann fand den neuen Nachbarn sympathisch ;). Es sieht so aus, als wäre diese Glaubensgruppe, die eine sehr moderate und pazifistische Auslegung des Islam pflegt, nach den vielen sinistren Gestalten, die die Druckerei davor gemietet hatten, ein erfreulicher Lichtblick. Nachdem die Alternativen – immer neue unangenehme Mieter, die in den Hallen entweder laut sind, im Gerümpel Mäuse züchten oder zwielichtige Geschäfte betreiben oder aber ein Bauträger, der ein paar Reihenhäuser mit Blick in unser Wohnzimmer aufstellt – in Wahrheit noch deutlich unerfreulicher sind, sind wir Nachbarn zum Schluss gekommen, dass diese Betgemeinschaft mit netten, ruhigen, hilfsbereiten und respektvollen  Pakistanis eigentlich viel eher eine gute Wahl ist als ein Störfaktor. … Wir streben daher – nach der ersten Schrecksekunde – keine Verhinderung mehr an und sind eher interessiert daran, die Wogen möglichst schnell zu glätten. … Was ich dazu beitragen kann, werde ich tun. Danke trotzdem für Ihre Bereitschaft, sich für unser Anliegen einzusetzen!“

Dies ist ein freies Land. Alle Menschen sollen ihre Rechte auch leben dürfen. Und alle Menschen müssen sich an ihre Pflichten halten. Es ist einerseits einfach, die Rechte aller Menschen zu verteidigen und die Einhaltung der Pflichten mit aller Deutlichkeit einzufodern. Es ist andererseits aber schwierig, mit Kulturen, die einem fremd sind, umzugehen. Wir in Österreich haben eine gute Tradition des Miteinander-Redens. Also tun wir das. Ich leiste meinen Beitrag dazu, dass die neue Nachbarschaft versteht, wie wir hier zusammenleben, und sich auch einfügt, und dass wir alle, die wir schon länger hier leben, anständig informiert sind über die neue Nachbarschaft.

Ihr/Dein/Euer
Lukas Mandl

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